Festveranstaltung 40 Jahre Aktuelles Forum Technik

Züge in dünner Luft

Es kommt nicht so häufig vor, dass ein Arbeitskreis 40 Jahre besteht. Das „Aktuelle Forum Technik“ konnte dieses Jubiläum mit einer Festveranstaltung am 6. November 2018 feiern. Prof. Peter Pfeffer, Vorstandsvorsitzender des BV, gratulierte dem langjährigen Leiter, Karl-Heinz Lohn, dazu sehr herzlich. Dieser AK greift Themen auf, die kein anderer Arbeitskreis behandelt, und so passte der schwungvolle Vortrag von Domenik Radeck, Student an der TU München und Mitglied der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt WARR, hervorragend in dieses Konzept. Sein Thema war „Das Hyperloop Hochgeschwindigkeitssystem“ und der damit verbundene Wettbewerb.

Die rasenden Kabinen im Vakuum

Ins Leben gerufen wurde der Wettbewerb 2015 von Elon Musk, dem schon fast legendären aber auch umstrittenen Erfinder und Unternehmer. Seine Idee ist eine evakuierte Röhre, in der Züge nahe der Schallgeschwindigkeit fahren können. Er hat für den Wettbewerb eine entsprechende Röhre von einer Meile Länge mit einer Zentralschiene aus Aluminium bauen lassen. Realistisch oder nicht - Jedenfalls beflügelt der Wettbewerb um die schnellste Kabine, den „Pod“, weltweit studentische Teams. Das Team der TU München konnte zum dritten Mal in Folge den begehrten Preis erringen, ihre Kapsel erreichte stolze 467 km/h. Für den diesjährigen Wettbewerb hatten sich insgesamt 200 Teams beworben, in die engere Auswahl kamen lediglich drei. Grund für die strenge Vorauswahl sind Sicherheitsaspekte, denn es musste in vielen Tests vorab glaubhaft gemacht werden, dass der Pod die Röhre nicht beschädigen wird. Dabei geht es „nur“ um ein Modell. Mit knapp 2m Länge, etwa 30 cm Höhe und einem Systemgewicht von 70 kg könnten darin lediglich Playmobil-Menschen mitfahren, und auch nur diese könnten die enormen Beschleunigungs- und Bremskräfte aushalten.

Technische Daten

Bild: TUM/HYPERLOOP

Der Bremsweg aus der Höchstgeschwindigkeit beträgt 200 m, was einer Bremsverzögerung von 6,8 g entspricht. Domenik Radeck gab in seinem Vortrag interessante Einblicke in die Konstruktion der autonom elektrisch angetriebenen Kapsel. Acht Motoren zu je 30 kW sorgen für den Antrieb, die Energie kommt dem diesjährigen Reglement entsprechend aus einer mitgeführten Lithiumbatterie. Die Zukunft des Wettbewerbs liegt aber, so Herr Radeck, im berührungslosen Antrieb. Auch dazu wurde das Konzept des studentischen Teams vorgestellt.

Die Sinnfrage

Natürlich stellt sich die Frage nach dem Sinn des Hyperloops. In der lebhaften Diskussion wurde darüber viel spekuliert und es wären keine Ingenieure anwesend gewesen, wenn nicht auch schon ausgiebig zu technischen Details argumentiert worden wäre. Viel wichtiger ist aber der Effekt auf die Ausbildung der Wettbewerbsteilnehmer. Ein Team von Studentinnen und Studenten erlebt die jugendliche Faszination beim Meistern von schwierigsten Herausforderungen. Und das nicht „nur“ in der Technik, sondern auch in der Organisation und im Zusammenhalt der Gruppe, im Zusammenwirken von Studierenden aus den unterschiedlichsten Disziplinen und in Kontakten mit der Industrie, die dieses Projekt kräftig fördert. Man lernt etwas, was keine Vorlesung bieten kann - und - was gibt es schöneres, als in einer motivierten Gruppe um ein gemeinsames Ziel zu kämpfen. Noch dazu, wenn man dann Sieger wird!