Mensch und Maschine in steter Eintracht: das Münchner Hofbrunnwerk

Am 3. Juli öffnete das historische Hofbrunnwerk im Münchner Hofgarten seine Tore für eine ganz besondere Exkursion. Für einen exklusiven Sondervortrag mit begleitender Führung konnte der Arbeitskreis Technische Gebäudeausrüstung (TGA) des BV München Dipl.-Ing Norbert Achatz vom Staatlichen Bauamt München I gewinnen, der die Wiederinstandsetzung des Industriedenkmals seit 1992 maßgeblich mitgestaltete.

Bei feinstem Sommerwetter bekamen die Besucher in unmittelbarer Nähe der schattenspendenden Platanen zwischen Hofbrunnwerk und Kriegerdenkmal einen umfassenden Einblick in die bewegte Geschichte des außergewöhnlichen Industriedenkmals. Danach ging es hinab auf eine Reise in die Vergangenheit in die geschichtsträchtigen Räume des historischen Werks. Jedes Bauelement hatte – so schien es – seine ganz eigene Geschichte zu erzählen.

Mehrere 100 Jahre stecken in der gesamten Anlage. Zu sehen sind sie an jeder Ecke.

Ein wahres Kleinod für Freunde des gepflegten Industriedenkmals

Die Errichtung des Hofbrunnwerks ist eng mit der Entstehungsgeschichte des Hofgartens verbunden. Ein erstes Brunnwerk wurde unter Herzog Albrecht V. (reg. 1550-1579) errichtet. Unter Herzog Maximilian I. (reg. 1597-1651) wurde es umgebaut, als der Hofgarten seine noch heute erhaltene Struktur erhielt.

Im 19. Jahrhundert wurde das Hofbrunnwerk vergrößert. Das für den Betrieb der Pumpen benötigte Antriebswasser wurde über den neu erbauten "Hofbrunnwerkkanal" vom westlichen Stadtgrabenbereich abgezweigt. 1904 wurde die Trinkwasserversorgung im Brunnhaus eingestellt.

Bis 1968 beschränkte sich der Betrieb des Brunnwerkes auf die Versorgung der Springbrunnen im Hofgarten und im Residenzbereich. Mit dem Bau des Altstadtrings wurde der Ablaufkanal für das Antriebswasser unterbrochen und das Hofbrunnwerk musste seinen Dienst einstellen. 

In der Zeit zwischen 1991 und 1996 wurde das Hofbrunnwerk wieder in Gang gebracht. Seither erfreut es die Besucherscharen des Hofgartens und begeistert immer wieder Liebhaber traditioneller Industriekultur. Auch heute gilt ein Besuch des alten Pumpwerks, der zwischen Mai und Oktober unter der Woche zwischen 10.00 und 14.00 Uhr möglich ist, als absoluter Geheimtipp.

Ein beeindruckender Gang durch die Geschichte. Veranstalter Heinz Eberhard vom Arbeitskreis TGA mit Referent Norbert Achatz nach dem Vortrag.

Und so funktioniert‘s

Damit das Hofbrunnwerk reaktiviert werden konnte, mussten der Hofbrunnkanal wiederhergestellt und die Stadtbäche wiederbelebt werden. Zur Abschottung des Kanals und zur Wassermengenregulierung wurden am Abzweig vom westlichen Stadtgrabenbach nördlich der Residenz ein Absperrschütz und eine hydraulische Stauklappe eingebaut. Einen Zu- und ein Ablaufverteilerschacht installierte man nördlich des Brunnenhauses.

Das Triebwasser fließt nach dem Durchlauf im Brunnenwerk (Antrieb der Turbinenräder) in die Abflusstrassierung, die aus Stahlrohren besteht. Diese wurde unter der Harmloswiese mittels Rohrpressverfahren verlegt. Der Triebwasserkanal mündet schließlich im Schwabinger Bach des Englischen Gartens. Zu sehen ist der Wasserverlauf in der angrenzenden Fußgängerunterführung über einen abgedeckten Düker.

Über den Hofbrunnkanal gelangt das Bachwasser in das Hofbrunnhaus. Der Sturz über den Zulaufrichter führt in eine Rohrleitung zu den beiden großen Turbinenrädern. Angetrieben werden diese durch die Kraft der etwa 3,5 m hohen Wassersäule und die radiale Beaufschlagung der Schaufeln, die stark gekrümmt sind.

25 bis 38 Mal in der Minute drehen sich die zwei Girard-Turbinen aus dem 19. Jahrhundert.

Die Bedeutung des Brunnenwarts ist essenziell

Das Triebwasser wird dann wieder den Stadtbächen zugeführt. Die Energie wird durch Zahnradgetriebe übertagen; die Pumpenlagen werden mit jeweils einer Balancierstange in Bewegung gesetzt werden. Etwa 5.5 PS Leistung bringt jede der beiden Pumpen für sich, wobei Drehzahlen von 25 bis 38 pro Minute erreicht werden.  

Die beiden Pumpenzylinder saugen Wasser aus dem Grundwasserbrunnen des unteren Hofgartens, befördern zwischen 400 und 600 Liter pro Minute nach oben und versorgen damit die Springbrunnen des Oberen Hofgartens.

Unermüdlich arbeitet das Pumpwerk.

Was in den nächsten 30 Jahren getan werden muss, damit das Münchner Hofbrunnwerk als Industriedenkmal erhalten bleibt, haben wir Norbert Achatz selbst gefragt

"Es ist ganz wichtig, dass die Anlagen wirklich von Menschen betreut werden, dass man sie nicht automatisiert – beispielsweise die Schmierungen nicht durch bestimmte Pumptechniken automatisiert. Es ist fundamental, dass der Mensch täglich in der Betriebszeit nachsieht, ob alles in Ordnung ist, dass er die Maschinen einschaltet, zwischenzeitlich Kontrollgänge macht und sieht, dass sie rund laufen. Man muss einfach dranbleiben und anfallende Arbeiten zeitnah erledigen. Denn eigentlich ist diese Maschine ein Selbstläufer. Solche massiven Maschinerien können problemlos die nächsten Jahrzehnte laufen, weil sie einzig durch ihre Mechanik – hier durch die Wasserkraft – funktionieren. Und das ist fast schon zeitlos. Gerade in der heutigen Zeit, in der nach Nutzungsmöglichkeiten der Wasserkraft geschaut wird, ist das Münchner Hofbrunnwerk mitten in der Stadt neben der Staatskanzlei im wunderschönen Hofgarten ein schönes Beispiel. Das Pumpwerk läuft, die Besucher erfreuen sich an den Brunnenanlagen. Das A und O des Erhalts dieser Anlage ist und bleibt die menschliche Betreuung."